Foto: Fabian Pfaffenberger / @fabianos
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Das Open Air

Foto: Uwe Niklas

Klassik gewinnt Kult-Charakter

Er bleibt Europas größter und grünster Konzertsaal – der Nürnberger Luitpoldhain. Seit der Jahrtausendwende ist er Schau- beziehungsweise Hörplatz des Klassik Open Air der Stadt Nürnberg. Im Juli und August verwandelt sich der Park in ein Festivalgelände der besonderen Art. Die bunte Stadtgesellschaft von heute trifft sich zum entspannten Picknick mit Wunderkerzen und Feuerwerk: Metal-Fans lagern neben den Mitgliedern des musikalischen Damenkränzchens, eine türkische Picknickgesellschaft teilt sich das Brot mit russischen Konzertliebhabern. Klassik-Kenner und Sound-Einsteiger lagern friedlich und entspannt vereint auf der grünen Wiese, reagieren spontan mit Applaus und Tanzeinlagen. Jung und Alt, Familien und Freunde pilgern zu diesem atemberaubenden Bürgerfest, das mal als „Woodstock der klassischen Musik“ bezeichnet wurde. Es ist die große Bühne für Nürnbergs Orchester – bei freiem Eintritt.
 

Klassik im Kerzenschein

Die beispiellose Erfolgsgeschichte begann 2000 anlässlich des 950. Geburtstags der Stadt Nürnberg. Mit drei kostenlosen Freiluftkonzerten der beiden großen Orchester der Stadt sollte ein großes Fest im Luitpoldhain gefeiert werden. Vorbild waren ähnliche Konzerte im New Yorker Central Park und vor allem die „Proms in the Park“ im Londoner Hyde Park. Selbst Menschen, die normalerweise keine klassische Musik hören, sollten hier ungezwungen und bei freiem Eintritt „ihre” Orchester kennenlernen können. Die Bürger kamen und blieben – und brachten Freunde mit. Durch die musikalische Qualität der Staatsphilharmonie Nürnberg und der Nürnberger Symphoniker, das Ambiente des Luitpoldhains und die zwanglose Atmosphäre haben sich die Genuss-Konzerte mittlerweile zu einer richtigen Picknickkultur im abendlichen Kerzenschein entwickelt. Und wenn Zehntausende dann ihre Wunderkerzen anzünden, entsteht jener magische Moment, der sich Jahr für Jahr zuverlässig einstellt. Dem schließt sich ein opulentes, anspruchsvolles Feuerwerk zur finalen Musik an.

Der Zauber klassischer Musik wirkt

Der Luitpoldhain Nürnberg war als Veranstaltungsort für Massenveranstaltungen diskreditiert, da er umgebaut zur Luitpoldarena den Nationalsozialisten am „Parteitagssonntag” für die Blutweihe der neuen Fahnen gedient hatte. Seine ursprüngliche Anlage als Park für die große Landesgewerbeausstellung 1906 war von der näheren Vergangenheit vollkommen verdrängt worden. Bis ins Jahr 2000 war der Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentags 1979 die einzige Großveranstaltung, die nach 1945 auf dem Gelände stattgefunden hatte. Durch Das Klassik Open Air veränderte sich die Wahrnehmung vom Veranstaltungsgelände im Publikum: Der Zauber klassischer Musik sorgte für eine Neudefinition und positive Assoziationen zum Ort.

Europas größtes Klassik Open Air

Das Klassik Open Air in Nürnberg gilt heute als die größte Freiluftveranstaltung mit klassischer Musik in Europa. Nach anfänglich sehr überschaubarem Publikumszuspruch erreicht es mittlerweile jährlich rund 160 000 Besucher. Seit 2013 werden die Konzerte vom Bayerischen Fernsehen aufgezeichnet und ausgestrahlt. Außerdem wurde 2013 gemeinsam mit Marcus Bosch, Generalmusikdirektor der Staatsphilharmonie Nürnberg, ein Familienkonzert initiiert. Seither führen die Staatsphilharmonie Nürnberg und KiKA-Moderator Malte Arkona am Vormittag des ersten Abendkonzerts besonders die junge Generation an die klassische Musik heran.

Konzertprogramm mit internationalen Solisten

Die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker unterhalten die Besucher bei den insgesamt drei Konzerten des Klassik Open Air mit vielfältigen Programmen. Dabei stehen jährlich auch internationale Solisten im Fokus. In der Vergangenheit standen auf der Bühne im Luitpoldhain bereits bekannte Größen wie Nikolai Schukoff, Alison Balsom, Simone Kermes, Martin Grubinger, Andreas Scholl, Daniel Hope und Pepe Romero.

Unterstützung

Trotz aller positiven Erfahrungen mit Veranstaltungskonzept und Ort hätte das Klassik Open Air keine Zukunft, wenn sich nicht Förderer gefunden hätten, die ihr Engagement zusagten, bevor die Stadt Nürnberg die Fortführung der Konzerte bestätigte. So dankt die Stadt Nürnberg den Hauptförderern des Klassik Open Air, der Sparda-Bank Nürnberg, Lebkuchen Schmidt und der Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung, sowie allen weiteren Unterstützern.

Dazu gehört jeder einzelne Konzertbesucher, denn: Auch Sie können die Konzerte unterstützen und dadurch zum Erhalt des Klassik Open Air beitragen. Der Nürnberger Kulturpreisträger Toni Burghart entwarf dieses Vögelchen – mittlerweile ein Kult-Objekt – als Signet des Klassik Open Air. Sind Sie auch schon Kult-Träger?

Der Eintritt für alle Konzerte ist frei.

Veranstalter ist das Projektbüro im Kulturreferat der Stadt Nürnberg.

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