Klassik Open Air

Europas grünster Konzertsaal

Stadt Nürnberg

Interview mit Alexander Shelley, dem Chefdirigenten der Nürnberger Symphoniker zum Klassik Open Air 2014


Foto: Claus Felix

Die Karriere von Alexander Shelley, bis 2017 Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, schreitet voran. Ab 2015 leitet er auch das National Arts Centre Orchestra in Kanada und ist weiterhin weltweit unterwegs. Das Klassik Open Air bleibt für den 34-Jährigen das Ausnahmeereignis im Konzertkalender.

Mister Shelley, Vivaldi, Gluck, Verdi, Wagner, Carl Orff und Céline Dion – die diesjährige Auswahl der Symphoniker durchschreitet 300 Jahre. Gibt’s da auch einen roten Faden?

ALEXANDER  SHELLEY: Ja, „La Primadonna“, die Dame, auch die Oper an sich. Unser roter Faden ist folglich Simone Kermes. Sie und ich haben uns kennengelernt, vor zwei, drei Jahren. Ich hatte sie eingeladen in meine Düsseldorfer Konzertreihe 440 Hertz. Es ging los mit Musik aus dem Barock. Und: Diese Frau hat eine einzigartige Ausstrahlung in der Musik. Sie spielt wirklich, während sie singt. Und ich behaupte, auch beim Klassik Open Air wird man bis hinten spüren, welche Energie sie hat. Sie ist wild, aber total fokussiert, sie ist gefährlich, aber total lieb zugleich. Eine unglaubliche Frau. Wenige andere Sängerinnen haben diese Bandbreite.

Dieser Abend verzichtet also auf die Unterscheidung zwischen U- und E- Musik?

ALEXANDER SHELLEY: Bis zu den Zugaben machen wir eine Reise durch die Oper, von den Anfängen bis in die Gegenwart. Erst danach geht es weiter zu Bernstein und Céline Dion. Wie so oft bei uns beim Klassik Open Air genießt man eben die ganze Bandbreite, weil das Orchester das auch kennt. Das Orchester hat schließlich für „Die Schöne und das Biest“ einen Grammy gewonnen.

Sie geben mit der Auswahl dem Affen Zucker, oder?

ALEXANDER SHELLEY: Das stimmt. Andererseits ist vieles, was auf dem Programm steht, nicht total bekannt. Händel zum Beispiel oder Gluck. Bei einem solchen Abend schließt das Eine das Andere nicht aus: Musik anzubieten, die jeder genießen kann, aber dennoch Qualität hat. Vielleicht hat der Affe den Zucker einfach verdient?!

Mit Simone Kermes und dem Hans-Sachs-Chor wildern Sie ein wenig im Revier des Opernhaus-Orchesters, also der Staatsphilharmonie. Nach dem Motto: Seht her, wir können das auch?

ALEXANDER SHELLEY: Ach nein. Ich glaube, es tut beiden Orchestern gut, sich von Zeit zu Zeit von einer anderen Seite zu zeigen. So lustig ich es finde, eine Feindschaft aufzubauen: Wir haben einen wunderbaren Zusammenhalt. Ich freue mich immer mehr, dass es zwei Orchester in der Stadt gibt. Der Kuchen wird dadurch nicht kleiner, es gibt einfach mehr Angebote.

Sie sind ja bekennender Opernfan. Gerade dirigierten Sie Mozarts „Così fan tutte“ in Montpellier, 2015 folgt Mozarts „Hochzeit des Figaro“ in Leeds. Kommen Sie wie geplant voran in Ihrer Selbstverwirklichung?

ALEXANDER SHELLEY: Ja, ich mache seit einiger Zeit ein Opern-Dirigat pro Saison. Mehr wäre schwierig. Man ist ja dadurch immer ein paar Monate gebunden.

Ist es eher Zufall, dass es aktuell hauptsächlich Mozart ist? Oder ist das Passion?

ALEXANDER SHELLEY: Mozarts Opern, besonders die drei letzten, „Così“, „Zauberflöte“ und „La clemenza di Tito“, sind schon Highlights des Repertoires. Die muss man gemacht haben, damit muss man sich auseinander gesetzt haben. Insofern ist es nicht Zufall, aber es schließt auch andere Dinge nicht aus.

Sie kümmern sich ja sehr um Klassikerlebnisse für die nächste Generation, waren jetzt mit dem Bundesjugendorchester auf Tour und wollen junges Publikum locken. Welche Rolle kann da ein Klassik Open Air spielen?

ALEXANDER SHELLEY: Das Erlebnis, mit 50.000 Menschen gemeinsam Musik zu hören, ist schon ein riesengroßer Schritt. Jeder hat Momente aus seiner Kindheit, aus seinem Leben: Das ist eine geile Erfahrung, das nehme ich mit. Das muss nicht unbedingt eine bestimmte Rossini-Ouvertüre sein, sondern Musik mit etwas Schönem zu verbinden. Das Klassik Open Air ist insofern sehr wichtig. Es ist ja auch das Miteinander. Das gehört ganz ursprünglich zum Menschsein.

Das ist Ihr sechstes Klassik Open Air. Kann man dieses Feuer immer punktgenau an diesem Abend entzünden?

ALEXANDER SHELLEY: Das kommt irgendwie von alleine. Die Freude, das machen zu dürfen, ist schon sehr groß. Wie viele Menschen dürfen das? Die Vorfreude ist groß. Ich bin ja vorher vier Wochen unterwegs, Leipzig, dann Hongkong, Neuseeland. Aber sicher fokussiert man sich im Unterbewusstsein auf dieses Ereignis.

Gibt es denn für Sie den einen, unschlagbar schönen Moment?

ALEXANDER SHELLEY: Es ist schon etwas sehr Besonderes, wenn die Wunderkerzen angehen. Das sieht von der Bühne einfach hammerartig aus. Oder lustige Momente wie im vergangenen Jahr, wo wir „Summertime“ spielten – und es fing richtig an zu regnen. Das hört sich jetzt nach Klischee an, aber: Eigentlich war bisher jedes Jahr ein Highlight.

Gibt es auch 2014 wieder den Massenanimateur Shelley?

ALEXANDER SHELLEY: Ich werde mir für die Zugaben etwas einfallen lassen.

Sie nehmen ab 2015 in Kanada, also um die Ecke, einen Dirigentenposten an. Welche Auswirkungen hat das für Nürnberg?

ALEXANDER SHELLEY: Keine. Das Einzige, was beeinträchtigt wird, sind meine Gastdirigate.

 

Das Interview führte Andreas Radlmaier.

Hauptförderer des Klassik Open Air:

Sparda-Bank Lebkuchen Schmidt Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung