Klassik Open Air

Europas grünster Konzertsaal

Stadt Nürnberg

Rendezvous der Tastenlöwen!

Interview mit Alexander Shelley, dem Chefdirigenten der Nürnberger Symphoniker zum Klassik Open Air 2013


Foto: Claus Felix

Herr Shelley, nach Ihren ursprünglichen Berufsplanungen für Nürnberg wäre das diesjährige Klassik Open Air bereits Ihr offizieller Abschied von den Symphonikern und dem Luitpoldhain gewesen …

ALEXANDER SHELLEY: Das stimmt. Ist es aber nicht. (Lacht.)

Wäre Ihnen Abschiedsstimmung lieber?

ALEXANDER SHELLEY: Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn ich so empfinden würde, dann wäre es auch mein Abschied, dann hätte ich auch nicht verlängert. Ich fühle mich aber gerade so mittendrin.

Sie haben ihren Aktionsradius als Dirigent in der Tat über alle fünf Kontinente ausgebreitet. Das sind prominente Adressen dabei, wie Berlin, London und Salzburg. Welche Bedeutung hat da noch ein Konzert wie das Klassik Open Air?

ALEXANDER SHELLEY: Das Klassik Open Air ist in vielerlei Hinsicht mein Highlight im Jahr. So ein Klassik Open Air gibt’s nirgendwo sonst. Nicht einmal in Wien, wo sie das mittlerweile nachmachen. Was wir hier in Nürnberg haben, ist einmalig. Und, das habe ich schon mehrmals gesagt: Die Gelegenheit, für 60 000 Menschen und Musikliebhaber zu spielen, ist wirklich eine Ehre. Und ein absoluter Genuss.

Aber Sie bedienen ja beim Klassik Open Air auch die Erwartung, oder?

ALEXANDER SHELLEY: An einem schönen Sommertag schöne Musik zu hören, soll auch ein Erlebnis sein. Man kommt bei der Kunst und auch sonst im Leben nicht an Erlebnissen vorbei. Es gibt so viele Menschen, die werden Journalisten, Mediziner oder Physiker, weil sie jemanden kennen lernten, der toll war, und sich sagten, das möchte ich auch werden. So weckt man Leidenschaft.

Also Shelley als Messias?!

ALEXANDER SHELLEY: Oh nein, um Gottes Willen, um mich geht’s gar nicht, es geht um die Musik. 90 Prozent der Besucher sehen mich nicht, für die bin ich ein Zwerg in der Ferne. Aber was die hören und was die erleben: Man riecht die Wiese und die hoffentlich warme Sommerluft. Und man hört die Klänge von – heuer – Brahms, Liszt und Tschaikowsky. Das muss einfach ein Erlebnis sein, wo man 15 Jahre später sagt, ah ja, ich erinnere mich.

Gibt es bei der Auswahl der Stücke eine Art Schere im Kopf?

ALEXANDER SHELLEY: Nicht nur beim Klassik Open Air, das gibt’s bei jedem Konzert. Wenn ich die gesamten Werke von Arnold Schönberg machen möchte, dann mache ich sie nicht im Abo am Sonntag um 16 Uhr. Wir wollen nicht überfordern, weil das nicht der richtige Moment ist. Viele Stücke bräuchten einen viel intimeren Zusammenhang, um verstanden und erlebt zu werden. Wir wollen aber auch nicht unterfordern. Es ist auf jeden Fall eine sehr delikate Gratwanderung. Manchmal schafft man es, manchmal nicht.

Dieses Jahr soll’s das Klavier richten.

ALEXANDER SHELLEY: Oh, das wird spannend. Wenn’s regnet etwa (lacht). Es ist das erste Mal, dass ein Klavier dabei ist. Der Untertitel könnte lauten: „Tastenlöwen“. Alle drei Komponisten waren auch ganz große Pianisten. Von Liszt und Brahms spielen wir Tänze und Rhapsodien, die ursprünglich für Klavier waren. Und in der zweiten Hälfte kommen jazzigere Sachen: „Rhapsody in Blue“ von Gershwin, „Porgy and Bess“-Suite von Gershwin und dann das Sparda-Wunschstück.

Ursprünglich war ja für Tschaikowskys Klavierkonzert ein Familientreffen mit Ihrem Vater geplant. Weshalb scheiterte der Plan?

ALEXANDER SHELLEY: Er kommt 2015. Aber nicht zum Klassik Open Air. Wir machen zwei Abo-Konzerte.

Und weshalb hat es jetzt nicht geklappt?

ALEXANDER SHELLEY: Aus Termingründen. Und es wäre das allererste Mal, dass wir etwas zusammen machen. Ich wäre dafür gewesen, aber mein Vater ist sehr bescheiden und sagte: nicht vor 60 000 Leuten!

Also keine Rekordkulisse für den Papa. Apropos Rekord: Wo bleiben die Signale für einen weiteren Weltrekord?

ALEXANDER SHELLEY: Massensingen und Massentanzen werden wir eh machen. Ein bisschen als Wiederholung, was sich da entwickelt hat. Und ich lasse mir noch etwas einfallen, bestimmt.

 

Interview: Andreas Radlmaier

Hauptförderer des Klassik Open Air:

Sparda-Bank Lebkuchen Schmidt Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung