Klassik Open Air

Stadt Nürnberg

Das erste Mal

Interview mit Marcus Bosch, dem Generalmusikdirektor der Staatsphilharmonie Nürnberg

Portrait Marcus Bosch / Foto: Ulf Krentz

Foto: Ulf Krentz

Was erwarten Sie sich von Ihrem und bei Ihrem Pult-Debüt im Luitpoldhain?

Hoffentlich gutes Wetter und eine herzliche Aufnahme beim Publikum. Das ist ja die Mega-Veranstaltung in Deutschland und in Europa als Klassik Open Air. Da wird auch Aufgeregtheit vor dem Auftritt dabei sein. Ich bin schon gespannt auf den ersten Blick in diese riesige Fläche, auf die Menschen, die dort picknicken und zuhören.

Sie haben also schon Bilder im Kopf, das heißt Sie haben sich informiert.

Na klar, ich kenne die Bilder vom Open Air. Das ist schon wahnsinnig beeindruckend. Ich habe ja fünf Jahre in Aachen so ein Festival gemacht, in viel kleinerem Rahmen. In diesen Dimensionen ist es also etwas total Neues.

Klassik Open Airs sind populär und müssen sich deshalb auch die Kritik gefallen lassen, dass sie der reinen Lehre widersprechen. Ist der Einwand berechtigt?

Zuallererst ist Klassik Musik, die berühren kann. Jeder der zum Klassik Open Air geht, sucht genau das, sonst würde er nicht hingehen. Wir erfüllen auch `ne Erwartungshaltung des Publikums. Und wer Klassik nur im Konzertsaal hören möchte, dem machen wir ja auch genügend Angebote. Ich fühle mich keinem Elfenbeinturm verbunden, sondern sehe meine Aufgabe immer darin, Menschen für das zu begeistern, was ich mache. Ich freue mich natürlich umso mehr, wenn der Einzelne anschließend auch in den Konzertsaal kommt. Ich verstehe solche Konzerte wie das Klassik Open Air auch immer als Handreichung.

Was kann man, was darf man, was will man dem Publikum in solch einem Picknick-Rahmen auf der „Festwiese” zumuten?

Zumuten soll man dem Publikum immer gute und auf möglichst höchstem Niveau präsentierte Musik. Der Begriff Zumutung ist mir fremd. Es geht um die Frage: Für was kann ich Menschen begeistern? Da kann die Mozart-Symphonie das richtige sein, das kann aber auch der Jazz-angehauchte Bernstein sein. Es geht also immer darum: Wie „verpacke” ich es und welche Hilfe biete ich dem Publikum an? Manche Musik spricht ganz für sich selber, bei anderen Musikstücken kann auch eine Moderation die Ohren öffnen.

Sie setzen heuer auf die emotionale Wucht des Belcanto, die Macht der Arie. Steckt dahinter ein programmatischer Ansatz für die nächsten Jahre?

Ich habe mir mit Blick auf die letzten Programme gesagt, wir sind doch eine Staatsphilharmonie mit Sängern im Hause! Wir sind ein Opern- und Konzertorchester – also können wir das auch aus dem Hause bestreiten. Das unterscheidet uns von den Symphonikern. Das heißt aber nicht, dass wir jedes Jahr Programm mit Sängern machen.

Besitzen Sie eigentlich die bislang unbekannte Fähigkeit der Zellteilung? Sie sind noch in Aachen aktiv, bereits GMD in Nürnberg, leiten die Opernfestspiele in Heidenheim und ein Festival in der Schweiz. Und Familienvater sind Sie ja auch noch. Wie geht das?

Mit der Bahncard 100.

Sind Sie nun begnadeter Zeitmanager oder ein Arbeitstier?

Wenn ich mich manchmal selber betrachte, denke ich mir eher, was bist du für ein fauler Mensch. Objektiv betrachtet arbeite ich natürlich wahnsinnig viel und wahnsinnig gern. Gerade Musik machen ist immer noch wie Urlaub. Anstrengend sind nur die Dinge drumherum. Aber in der Tat kommt die Familie zur Zeit zu kurz. ..

Ist ein Familienumzug geplant?

Ja, sobald eine Wohnung gefunden ist....

 

Interview: Andreas Radlmaier

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Hauptförderer des Klassik Open Airs:

Sparda-Bank Lebkuchen Schmidt Rudolf und Henriette Schmidt-Burkhardt Stiftung